Aktuelles/Wissenswertes

23.04.2018

Wo Lebensperspektiven in Ketten liegen...

Missbrauch bei Kettenbefristung von Arbeitsverträgen

Wer eine Familie gründen oder ein Haus bauen will, der braucht vor allem Planungssicherheit. Die zunehmende Zahl langer Ketten von befristeten Arbeitsverträgen, die immer nur eine Perspektive für einige Monate bieten, höhlen diese Sicherheit aber aus.

Es ist schon paradox: Einerseits klagen Arbeitgeber über die demographische Entwicklung und über den Mangel an Nachwuchs bei den Arbeitskräften, andererseits schaffen sie selbst die biographischen Voraussetzungen, die eine solche Entwicklung noch beschleunigen. Wer keine Aussicht auf einen dauerhaften Arbeitsplatz hat, der wird nicht sesshaft, er richtet sich nicht auf Dauer im Leben ein. Das Prekariat, das aus solchen Befristungen hervorgeht, ist das Nomadentum unserer Zeit.

Natürlich gibt es Gesetze, die den Missbrauch von Kettenverträgen einschränken sollen. In der Regel, so sieht es der Gesetzgeber vor, sollen befristete Arbeitsverhältnisse die Dauer von zwei Jahren nicht überschreiten. Da aber die Paragraphen des Gesetzes von ‚unbestimmten Begrifflichkeiten‘ nur so wimmeln, haben in der Praxis Arbeitsgerichte schon entschieden, dass auch nach achtjährigen Kettenbefristungen kein Missbrauch vorliegen könne, da jede Folgebefristung stets so zu beurteilen sei, als wäre sie die erste gewesen. Mit anderen Worten: Die Paragraphen zur Kettenbefristung – insbesondere der § 14 Abs. 1 Nr. 3 TzBfG – sind entweder handwerklich schlampig abgefasst, oder sie wurden ganz im Sinne der Arbeitgeber gestaltet. Rechtssicherheit folgt aus ihnen jedenfalls nicht.

Im Falle von Kettenverträgen sind daher die Betriebs- und Personalräte gefordert, jede Befristung zu hinterfragen, um sich für ihre ‚Kolleginnen und Kollegen auf Zeit‘ einzusetzen. Denn es liegt in ihrem ureigensten Interesse, dass die Stammbelegschaft wächst, und nicht als Prekariat zerbröselt.

Die "Kettenbefristung" ist auch Bestandteil unserer Fachtagung "Arbeitszeit aktuell - Entwicklungen, Impulse und Perspektiven" am 26. Juni 2018 in Hannover