Aktuelles/Wissenswertes

14.01.2019

Das Kommunikationsgefälle

"Erwin, würg ihn!", riefen die Ameisen ihrem Kollegen zu, der sich als einziger auf dem Rücken des Elefanten noch festklammern konnte. Mit anderen Worten: Kommunikation findet zumeist nicht 'auf Augenhöhe' statt. Oft genug handelt es sich um einen Meinungsaustausch unter Ungleichen, ob nun zwischen Eltern und Kindern, zwischen Lehrern und Schülern oder zwischen Unternehmensführungen und Angestellten.

Für Betriebs- und Personalräte gehört das Kommunikationsgefälle zum Alltag: Die Arbeitgeber verfügen über das Geld, über die Aufträge und über die Maschinen, der Vertreter der Arbeitnehmer kann allenfalls die Zahl seiner Mitglieder ins Feld führen. Ihm 'gehört' aber nichts. Bei Monatsgesprächen und sonstigen gemeinsamen Terminen existiert also immer ein merklicher Abstand. Wer 'unten' steht, findet zunächst weniger Gehör. Kommunikationsfragen sind immer auch Machtfragen. Intelligente Strategien sind hier die richtige Antwort.

Ein bewährtes Mittel ist es da, die Argumentation der Gegenseite zunächst aufzugreifen, um dann deren Logik gegen sie zu wenden. Ob bspw. ein beabsichtigter 'sozialverträglicher Personalabbau' tatsächlich zu mehr 'Effizienz', 'Marktakzeptanz' oder 'Produktivität' führen könne, alles Ziele, die man im Prinzip ja gleichfalls teile. Eingestreute Beispiele würden hier das Gegenteil dann prompt unterstreichen.

Man könnte vielleicht auf den Herrn Mehdorn und auf die Deutsche Bahn verweisen, der das Unternehmen blindlings, nur mit dem Ziel des Börsengangs im Auge, so lange auf Verschleiß fuhr, bis das heutige Desaster eintrat: Kein Personal fürs Notwendigste, ein verrottetes Streckennetz, eine fluchende Kundschaft, verstopfte Toiletten und Staus vor allen Werkstätten.

Man greife also die hehren Zielsetzungen der Gegenseite auf, man bejahe sie sogar - und führe dann den unwiderleglichen Beweis, dass gerade das angestrebte Ziel mit den beabsichtigten Mitteln nicht erreicht werden könne. Sich die Ziele des Kommunikationspartners zu eigen zu machen, um die geforderten Maßnahmen danach als kontraproduktiv zu beschreiben, das ist eine der wirksamsten Strategien, ein Kommunikationsgefälle einzuebnen.

Gute Kommunikation beruht also keineswegs nur auf der richtigen Wortwahl und auf dem selbstbewussten Auftreten geschulter Redner, sondern immer auch auf einer 'Strategie'. Die höhere Ebene stellt eine 'Erzählung' in den Raum - ein 'Narrativ', um den zeitgemäßen Ausdruck zu verwenden - wonach die eingeleiteten Maßnahmen für die Organisation oder für das Unternehmen mit Sicherheit paradiesische Zustände herbeiführen würden. Der Gegenpart greift diese Ziele dann als begrüßenswert auf, gibt aber der 'Erzählung', bzw. dem 'Narrativ', einen ganz anderen 'Dreh'.

Einen strategischen Kommunikationsbegriff legt auch die BTQ in ihren Seminaren zugrunde. Dort geht es nicht nur um Rhetorik, um Mitarbeiterzeitungen oder um einen verständlichen Satzbau. Das zwar auch, aber immer steht das größere Ziel einer kommunikativen Strategie dabei im Vordergrund.

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