Aktuelles/Wissenswertes

04.09.2019

Beschränkte Öffentlichkeit?

Verbindlich schreiben das Betriebsverfassungsgesetz sowie die entsprechenden Personalvertretungsgesetze den Betriebs- und Personalräten in der Öffentlichkeitsarbeit (ÖA) lediglich vierteljährliche Betriebs- bzw. Personalversammlungen vor, auf denen sie dann auch einen Rechenschaftsbericht vorzulegen haben (§ 43 Abs. 1, BetrVG). Das allein genügt natürlich nicht. Eine gute und konsequent umgesetzte ÖA macht einerseits die Arbeit der Interessenvertretungen bekannter und schafft Vertrauen in der Belegschaft, andererseits lässt sich mit ihr auch der Arbeitgeber beeinflussen, so dass er Forderungen aus der Arbeitnehmerschaft möglicherweise williger aufgreift und umsetzt.

In der Praxis aber ist die Öffentlichkeitsarbeit der Betriebs- und Personalräte in vieler Hinsicht eingeschränkt. Da gibt es bspw. das Gebot der vertrauensvollen Zusammenarbeit‘ (§ 2 Abs. 1, BetrVG). Im Kern besagt dieser Paragraph, dass die betriebsinterne Kommunikation nicht als Mittel eines Machtkampfes mit dem Arbeitgeber eingesetzt werden darf, was in strittigen Fragen oft zu leisen Tönen verführt. Auch gibt es die „Friedenspflicht“ (§ 74 Abs. 2 BetrVG), die es einzuhalten gilt. Das Verbot, über „Geschäftsgeheimnisse“ zu berichten (§ 79 BetrVG), eröffnet in einer möglicherweise folgenden Auseinandersetzung jedem Juristen ein weites Spielfeld. Kurzum: Die ÖA von Betriebs- und Personalräten ist einerseits ein unverzichtbares Mittel, Gehör zu finden für Forderungen aus der Belegschaft, andererseits ist sie immer auch ein Minenfeld.

Viel zu wenig Beachtung finden in dieser Hinsicht allgemein sprachliche und stilistische Fragen. So kann ein kleines Satzzeichen schon einen großen Unterschied machen. Natürlich könnte man mit einer martialischen Formulierung an die Öffentlichkeit gehen: „Die Geschäftsführung missachtet den Gesundheitsschutz!“, woraufhin man mit einem Bein schon tief im Schlick des § 2 Abs. 1 BetrVG stünde. Den juristischen Unterschied würde hier ein kleines Fragezeichen machen: „Missachtet die Geschäftsführung den Gesundheitsschutz? - Denn fragen wird man ja wohl noch dürfen.“ In der betrieblichen ÖA gilt also die große Regel: Man achte auf die Feinheiten. Der Schreibkunst wird in den Betriebs- und Personalräten noch viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

Als eine moderne Form der Vermittlung von inhaltlichen Anliegen kommt neuerdings auch die Zeichenkunst hinzu. Wie alle modernen Vermittlungstechniken kursiert es derzeit noch unter verschiedenen Namen: „Graphic Recording“, „Visual Faciliation“ oder „Sketch Notes“. Die Absicht und Methodik ist in allen Fällen gleich: Da sich Bilder und Illustrationen besser und dauerhafter einprägen als Texte und Worte, begleiten Skizzen, Grafiken und Fotos den fortschreitenden Diskussionsprozess. Auf längeren Veranstaltungen mit viel Input entstehen häufig meterlange Gedächtnisstützen – bzw. lebende Mind-Maps. Unsere BTQ-Fachtagung zur „Öffentlichkeitsarbeit 2.0“ bietet mit einer Live-Vorführung durch Anja Weiss die Möglichkeit, den Einsatz dieser Methode auch mal für eigenen Versammlungen oder in Change-Projekten zu nutzen

Wer das erleben möchte oder einfach mehr über die Chancen und Fallstricke einer betrieblichen Öffentlichkeitsarbeit in Zeiten medialer Umbrüche erfahren will, der sollte sich zur BTQ-Fachtagung "Die vier Seiten guter Öffentlichkeitsarbeit" am 5. November 2019 in Hannover anmelden: [LINK]