Aktuelles/Wissenswertes

19.06.2019

Die dunkle Seite der Digitalisierung

„Sag mal, Alexa: Smartphones, Tablets, Algorithmen sind doch so bequem. Warum machen die denn so viele Leute krank?“ – „Weil wir euch immer im Auge haben, mein Bester!“

Anders als die körperliche Arbeit hat die digitale Arbeitswelt vor allem psychische Folgen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. So hat das jüngste EuGH-Urteil die zunehmende ‚Entgrenzung der Arbeitszeit‘ stark eingeschränkt. Mit einem paradoxen Effekt: Auf der Arbeitnehmerseite wird wider Erwarten eine umfassende Kontrolle mehrheitlich begrüßt, weil sie den psychischen Druck ständiger und oft unentgeltlicher Erreichbarkeit von ihren Schultern nimmt. Die Arbeitgeber dagegen wettern gegen diese bürokratische Einschränkung, weil sie die Arbeitszeiten jetzt zeitgenau erfassen müssen.  Trotzdem - die digitale Welt zeigt neben Licht - immer auch Schattenseiten. Die wachsenden Ausfälle durch psychische Erkrankungen sind hierfür ein Indiz.

Eine Untersuchung des DGB zur „Verdichtung der Arbeit“ macht die Herausforderungen des digitalen Fortschritts deutlich. Mit der allseitigen Vernetzung wächst auch das Gefühl, immer höher belastet zu sein: ständiger Zeitdruck, E-Mail-Schwemmen, häufige Unterbrechungen des Arbeitsablaufs, dann, wenn das Ruckeln des Smartphones die Konzentration wieder mal gestört hat – dies alles führt dazu, dass viele Beschäftigte die ursprünglichen Digitalisierungsversprechen zunehmend als ungedeckten Scheck empfinden.

Andererseits gibt es auch gute Nachrichten: Je mehr die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, auf die Ausgestaltung ihrer digitalen Arbeitswelt Einfluss zu nehmen, desto stärker sinkt auch der Krankenstand. Unternehmen sollten folglich - schon aus reinem Selbstinteresse - die Digitalisierung nicht „von oben herab“ betreiben, sondern mit den Betriebs- und Personalräten kooperieren.