Aktuelles/Wissenswertes

04.09.2019

Terra Incognita

Alle tun es – aber wer weiß schon, was er da tut? Die Rede ist von den Social Media – dieser schier unüberschaubaren Masse aus Blogs, Chat-Rooms, WhatsApps, YouTube-Kanälen und Tweets, die es jedermann gestatten, sich 24 Stunden am Tag informiert zu fühlen, ohne jemals an ein Medium zu geraten, das journalistische Mindeststandards einhält. Ringsum treiben die Filterblasen durch eine neue Kommunikations-Galaxie. Irgendwo gibt es allemal eine Plattform, die nur vorgefertigte Meinungen und Vorurteile bedient. Kurzum: Wir stecken mitten in einer Medienrevolution, deren Ausmaß und Grenzen längst noch nicht vermessen wurden.

Umso erstaunlicher ist es, dass immer mehr Unternehmen die neuen Möglichkeiten bereits exzessiv nutzen, keineswegs nur zu Werbezwecken, und ohne dass es zugleich betriebsinterne Regeln für die Teilnahme gäbe. 38 % der deutschen Unternehmen tummeln sich bereits im kommunikativen Neuland, sagt das Statistische Bundesamt (Stand 2014), nur sieben Prozent aber haben sich Regeln für die Nutzung dieser neuen Möglichkeiten gegeben. Auch die Betriebs- und Personalräte hinken zumeist hinterher, weil andere Aufgaben vordringlicher scheinen.

Wenn sich die unterschiedlichen Gruppen im Unternehmen jemals mit Social Media beschäftigen, dann streiten sie meist über die ‚private Nutzung‘ während der Arbeitszeit. Ob jemand beispielsweise die Karriere-Plattform ‚Xing‘ anwählte, um sich neue berufliche Möglichkeiten zu erschließen? Oder ob Privat-Nachrichten auf dem firmeneigenen Smartphone den rein dienstlichen Gebrauch verletzten? Die Betriebsparteien drohen, sich im Kleinklein zu verzetteln. Das Große und Ganze im Blick zu behalten, fällt angesichts des Ausmaßes des Regelungsbedarfes bei den Social Media schwer.

Worüber sich viele Beschäftigte nicht im Klaren sind ist, dass jede einzelne ihrer Aktivitäten im Netz auch einen “Fußabdruck“ hinterlässt. Den lesen dann nicht nur die Plattform-Betreiber aus, die hierauf ihre Werbe- und Späh-Modelle errichten. Längst verwenden viele Arbeitgeber massenhaft “Spionage-Tools“, mit denen sie den digitalen Weg ihrer Mitarbeiter prinzipiell bis auf die Toilette verfolgen können. Hier stehen höchstrichterliche Gerichtsentscheidungen noch aus, die hoffentlich bald für Klarheit darüber sorgen werden, wo die Privatsphäre beginnt, und wo sie endet.

Letztlich aber ist auch dies nur ein Notbehelf, weil die Problematik der Social Media längst den nationalen Rahmen übergreift. Was nützt ein Verbot, wenn ein allzu neugieriger Server auf den kleinen Antillen oder auf der Weihnachtsinsel steht? Wie will man ihn dort zu Wohlverhalten zwingen?

Über die bisher möglichen Wege mittels Betriebs- und Dienstvereinbarungen den allzu exzessiven Umgang mit Social Media einzugrenzen, informieren unsere BTQ-Seminare. [LINK]